Längst fällige Sanierung und Erweiterung im «Bin Rääbe»
Heute will wohl niemand mehr behaupten, Wohnungen ohne eigene Nasszellen, stattdessen aber mit einem Gemeinschaftsbad im Erdgeschoss, seien zumutbar – auch nicht für Menschen mit kleinem Budget oder Ergänzungsleistungsberechtigte. Genau so lebt es sich aber in den winzigen 1.5-Zimmer-Wohnungen im Haus A der Alterssiedlung «Bin Rääbe». Doch nicht nur damit soll jetzt Schluss sein. Der Stadtrat beantragt mit Weisung 27/2025 einen Kredit von CHF 17.8 Mio. (+/-15%), einerseits um das genannte Haus A total zu sanieren und anderseits um einen Erweiterungsbau in derselben Siedlung zu realisieren, der Platz für 16 neue, kleine aber freundliche und moderne 1.5-Zimmer-Wohnungen bieten soll. Leider ist die Aufwertung des Mitteltrakts C, welcher aus einem Gemeinschaftssaal sowie einem Foyer besteht, zwar Gegenstand der Weisung, nicht aber des Projektierungsperimeters. Nach dem Willen des Stadtrats soll aber jedoch dieser aufgewertet werden, wofür er grob geschätzte Kosten von CHF 250'000 reserviert.
Die SVP-Fraktion spricht sich einstimmig für den beantragten Kredit von CHF 17.8 Mio. aus. Bei den zusätzlichen Anträgen der vorberatenden Sachkommission (SAKO) gehen die Meinungen freilich auseinander. (1) Demnach unterstützt eine Fraktionsmehrheit den Antrag der SAKO, der Stadtrat möge beim Ersatzwohnkonzept für die Bewohnenden während der Umbau- und Erneuerungsphase im «Bin Rääbe» auf eine vorübergehende Nutzung der Neubau-Alterswohnungen an der Büelenstrasse 5/7 verzichten und stattdessen eine kostengünstigere Übergangslösung erarbeiten. Für eine Minderheit der SVP-Fraktion wäre dies ein zu starker Eingriff in den operativen Kompetenzbereich des Stadtrats. (2) Während eine knappe SAKO-Mehrheit eine teurere Variante von CHF 430'000 +/-25% für die Aufwertung des Mitteltrakts C befürwortet, spricht sich die grossmehrheitliche SVP-Fraktion für die günstigere Projektstudie von CHF 250'000 +/-25% aus. Hauptgrund ist die insgesamt angespannte Finanzlage der Stadt Wädenswil. (3) Lediglich ein Fraktionsmitglied kann dem knappen Mehrheitsantrag der SAKO etwas abgewinnen, im Sinne eines Pilotprojekts die einzige 3.5-Zimmer-Wohnung der Alterssiedlung als Studierenden-WG anzubieten. Demnach sollen Studierende einen Teil ihres Mietzinses nicht in Geld, sondern durch Alltagsunterstützungen zugunsten der Bewohnenden entrichten. Die Studierenden könnten so günstiger wohnen und den älteren Menschen wäre es möglich, dank der Hilfeleistungen länger in der Alterssiedlung zu bleiben, anstatt in eine kostenintensive Pflegeeinrichtung umzuziehen, was die Stadtkasse ebenfalls entlasten würde. Die Fraktionsmehrheit bezweifelt die Funktionsfähigkeit des Pilotprojekts in der Praxis. Ausserdem befürchtet sie einen verstärkten administrativen Kontrollaufwand.
Mit Interpellation vom 27. Mai 2025 verlangte die SVP-Fraktion Aufschluss über die Anzahl städtischer Mitarbeitenden, welche auch in Wädenswil wohnen. Nach Auffassung der SVP-Fraktion sind je nach Funktion bzw. Stellung örtliche Kenntnisse durchaus von Vorteil. Auch wirtschaftlich zahlt sich ein Wohnsitz am Arbeitsort aus, indem der Stadt Steuersubstrat erhalten bleibt. Selbstverständlich müssen die fachlichen Anforderungen bei der Personalgewinnung oberste Priorität haben. Ebenso wenig soll die Freiheit der Wohnsitzwahl ungebührlich beschnitten werden. Doch könnte beim Bewerbungsgespräch bspw. darauf hingewiesen werden, dass eine Wohnsitznahme in Wädenswil, Au, Schönenberg oder Hütten erwünscht sei. Dass der Wohnort jedoch in der Regel geradezu als Nebensächlichkeit abgetan wird, irritiert die SVP-Fraktion in hohem Masse.
Charlotte M. Baer, SVP Fraktionschefin